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Gehmeditation - Where do you go to my lovely

Meistens denken wir bei Meditation an ruhige statuenhafte Gestalten, die still und erhaben im vollen Lotus auf ihrem Sitzkissen ruhen. Selbst bei den sitzenden Buddhas im Gartencenter haucht uns eine erhabene Gelassenheit an. So muß es sein, den setze ich mir in den Garten und als Trittbrettfahrer nehme ich ein bisschen von seiner Weisheit, Entspannung und Ruhe mit. Aber nach jeder noch so von Einsicht erfüllter Meditationssitzung müssen wir aufstehen und ins Leben treten, geht nicht anders.

 

Während der Gehmeditation, der Sitzmeditation, der Küchen- und Gartenarbeit, den ganzen Tag lang können wir uns darin üben zu lächeln. Anfangs fällt uns das vielleicht schwer, und wir sollten ergründen, warum das so ist Oft lassen wir uns von den Ereignissen mitreißen und verlieren uns damit selbst. Ein Lächeln kann uns helfen, unsere Souveränität, unsere Freiheit als Mensch wiederzuerlangen. Zu lächeln bedeutet, dass wir wir selbst sind, dass wir uns nicht weiter in Unachtsamkeit verlieren.

Thich Nhat Hanh

 

Die Gehmeditation kann eine gute Verbindung zu unserem Leben sein, ein Impuls den wir recht einfach und unauffällig (sozusagen Guerilla-Style) in unser Leben einbauen können. Im Retreat neigen wir (ich auf jeden Fall) schnell dazu, die Gehmeditation in Richtung Kaffeeecke zu machen, einen kleinen meditativen Spaziergang zu machen (nichts verkehrt daran, aber ebenetwas anderes) oder mal eine Pause einzuschieben. Dauernd achtsam sein, nachdem wir gerade 45 Minuten reglos rumgesessen sind, das geht nur mit einem entspannten Gewahrsein, kein Extradruck und Leistungsdenken (geht prima, wenn man die Verfassung des Geistes nicht immer mal wieder ins Auge fasst). Klingt nach Stress, die ganze Zeit achtsam sein (Oh no, und wann habe ich mal frei). Gehmeditation kann da eine andere Perspektive liefern. Wir nehmen uns eine Strecke von 12-15 Schritten und gehen ohne Ziel auf und ab. Jedes Mal am Ende haben wir die Gelegenheit innezuhalten, zu checken, wo befindet sich meine Aufmerksamkeit, höre, denke, schaue, spüre ich, atme ich (noch!?). Fühlt sich vielleicht langweilig an, oh ja, wie fühlt sich Langeweile an und wie…….

Ich halte an, drehe mich um, fixiere mein Ziel (die gleiche Anzahl Schritte in die andere Richtung). Ich bleibe stehen, lausche oder höre hin, schaue oder fokussiere, begleite meine gedanklichen Aktivitäten, sollten da welche sein.

 

Rechte Achtsamkeit ist die Fähigkeit des Geistes wahrzunehmen was ist, ohne die Erfahrung zu werten, an ihr zu haften oder sie zu manipulieren.

Fred von Allmen

 

Ganz entspannt können wir mit der gerade stattfindenden Erfahrung sein. Wir können mit ganzer Entschlossenheit bei jedem Schritt sein, wir heben den Fuß, setzen ihn vor uns, verlagern das Gewicht, der Impuls den anderen Fuß zu heben und nach vorne zu setzen taucht auf. Wir brauchen eine Absicht für jeden Schritt, jeder Schritt hat einen Anfang, den Mittelteil und eine Ende. Wir bleiben stehen, fassen die Absicht uns umzudrehen und die Absicht wieder loszugehen.

Wir nehmen wahr, dass sich auch hier ständig alles ändert, unsere innere Stimmung, unsere Gedanken, unser Körpergefühl, die Objekte die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das meiste geschieht ohne unser willentliches Zutun, es ist mal angenehm (oh die stimme dieses Vogels, könnte ich sie doch noch mal hören), dann wieder unangenehm (das Motorengeräusch des Traktors passt mir jetzt aber gar nicht), nix los hier, ich glaube ich hol mir mal einen Kaffee, sonst schlafe ich stehend ein.

Diese Guerilla-Methode der meditativen Tätigkeit können wir mit Leichtigkeit überall praktizieren, um in den gegenwärtigen Moment zurückzukehren (Supermarkt, Intensivstation, beim Bummeln auf der Strasse). Wir erinnern uns über unser Gehen, unser Hören, unser Sehen Hier-zu-sein, teil zu nehmen am Leben.

 

Wie können wir präsent und achtsam bleiben, wenn wir von einer Meditationssitzung oder einem Meditationsretreat zu unseren Aktivitäten in der Welt zurückkehren? Diesen entscheidenden Übergang vom Bewußtsein auf dem Meditationskissen zum Bewußtsein bei unseren täglichen Aktivitäten zu vollziehen wirkt sich grundlegend auf unsere Freiheit aus.

Joseph Goldstein

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