Erleuchtungsfaktoren

 Übersicht über die Erleuchtungsfaktoren

Es sind diese 7 Eigenschaften des Herzens und Geistes, die stark entwickelt und im Geist gegenwärtig sein müssen, damit dieser sich für die befreiende Erkenntnis öffnen kann.

Fred von Allmen

 

Erleuchtungsfaktoren hört sich immer ein bisschen großartig an, um was geht`s da eigentlich? In unserer Meditation wie im Leben sollten wir bestimmte Dinge im Auge behalten. Manchmal ist zu wenig Engagement, Energie da, zu anderen Zeiten überhitzen wir in unserem spirituellen Eifer und drehen am Rad. Zu Beginn werfen wir uns unter Umständen enthusiastisch in die Praxis, Befreiung scheint in Reichweite, unterwegs geht uns unter Umständen auf, dass das ein Marathon sein könnte, kein 100m-Sprint. Welche Faktoren spielen eine Rolle, damit wir auf unserer Reise unsere Absichten in gelebtes Leben umsetzen!?

 

Wir empfangen die Weisheit nicht. Wir müssen sie für uns selbst entdecken im Verlauf einer Reise, die niemand für uns unternehmen oder uns ersparen kann.
Marcel Proust

 

Erforschung der Wirklichkeit, wow das ist möglich, ich muß nicht deprimiert den "Steppenwolf" von Herrmann Hesse zur Seite legen, alles sinnlos, zufällig....Es gibt eine Wirklichkeit und ich kann mich ihr stellen.

Diese Perspektive gibt mir Energie und ich sehe vor meinem inneren Auge schon Jahre in einer Meditationshöhle im Himalaya, freudiges interesse macht sich in mir breit. Ich bin voll auf der Meditationsdroge, erzähle jeder Person der ich begegne, dass sie das auch mal versuchen sollte, schildere wortreich und gleichzeitig geheimnisvoll die möglichen Resultate.

 

Bis mir, hoffentlich, auffällt, dass ich überstimuliert bin, weggetragen von meiner Begeisterung, ohne Bodenhaftung. Hier sollte Achtsamkeit, Gewahrsein einsetzen, um eine Kurskorrektur zu initiieren.

 

Gewahr werden, achtsam schauen auf und lernen von Fehlern ist Weisheit am Werk.

Sayadaw U Tejaniya

 

Da braucht es vielleicht ein klein wenig Ruhe, einen gesammelten Geist und eine Spur Gelassenheit, Gleichmut. Der spirituelle Weg ist ein Balanceakt, engagiert, aber trotzdem ruhig, stetig. 

Mit einem Blick auf unsere inneren Stärken bzw. Schwächen betonenm stärken wir zu bestimmten Zeiten Qualitäten und gleichen auf der anderen Seite aus, wenn es aus dem Ruder läuft, unruhig wird, damit unser Wagen auf dem Meditation Highway bleibt nicht im Strassengraben landet, und wir im Kontakt sind, kommen mit unseren tatsächlichen Erfahrungen.

 

Mitten im tiefsten Winter wurde mir endlich bewusst, dass in mir ein unbezwingbarer Sommer wohnt.

Albert Camus

 Achtsamkeit, Gewahrsein

Achtsamkeit, Präsenz, Gewahrsein, Geistesgegenwart - der Wagenlenker

Wir wollen wissen was geschieht, uns der Faktoren bewusst sein, die anwesend sind bzw. zu schwach oder gar überrepräsentiert sind, die eventuell gestärkt werden müssen oder ein bisschen ausgebremst werden sollten.
„Achtsamkeit soweit es der Erkenntnis dient“, nicht als Selbstzweck. Gewahrsein sitzt im Cockpit und steuert die inneren Kräfte bzw. sorgt für ein sinnvolles Gleichgewicht.

 
Es gibt Leute die glauben je länger man sitzen könnte, desto weiser müsste man sein. Ich habe Hühner tagelang auf ihren Nestern sitzen sehen. Weisheit kommt durch Gewahrsein in allen Körperhaltungen

Ajahn Chah –Still forest pool

 

Wo geschieht das Leben? Genau da sucht der Wagenlenker nach notwendigen Kurskorrekturen. Im Körper machen sich Energie, Ruhe, freudiges Interesse, Sammlung, Gelassenheit bemerkbar oder eben Müdigkeit, Rastlosigkeit, Zerstreuung, Aufregung. Wir schenken unseren Erfahrungen eine entspannte, nicht-urteilende Aufmerksamkeit, Gefühlsempfindungen geben uns Hilfestellung, klarer zu sehen und dann schauen wir uns nach geschickten Mitteln um, die uns auf dem Weg zu mehr Gelassenheit, Akzeptanz, Freude unterstützen.

 

4 Grundlagen des Gewahrseins (der Achtsamkeit)

1) Körper - Sinneswahrnehmungen - Hören, Sehen, Spüren, Riechen, Schmecken (Kayanupassana)

2) Gefühlsempfindungen - angenehm - unangenehm (vedananupassana)

3) Geist und Herz - Geistesfaktoren, Bewußtseins-/Geisteszustände (Cittanupassana)

4) Objekte des Geistes und des Herzens, Geistesinhalte 4 Edlen Wahrheiten, Hemmnisse usw.(dhammanupassana)

 

Man unterteilt die Erleuchtungsfaktoren in anregende, stimulierende und entspannende, erdende Aspekte.Manchmal braucht es eben mehr Ruhe, Gelassenheit, zu anderen Zeiten fehlt der rechte Schwung, die Energie. Also auf geht`s .........schauen, spüren wir mal in aller Ruhe hin.

 

Leb in der Gegenwart, an diesem Tag, in diesem Moment. Was bleibt dir denn anderes übrig, als an diesem Ort dein Bestes zu tun?

Kodo Sawaki

 Erforschung der Wirklichkeit

Erforschung der Wirklichkeit, Ergründen sind ein energetisierender Faktor, sie beleben unsere Praxis, geben ihr Sinn und Richtung, einen Rahmen.

Ergründen heißt die Erfahrungen die gemacht werden genauer anzuschauen, zu fühlen, um zu verstehen. Erforschung fragt nach den Gesetzen die unser Leben regeln. Erkenntnis, Einsicht geht bei dieser Meditationsform aus der direkten Wahrnehmung der Erfahrung hervor. Du berührst eine heiße Herdplatte und "du weißt", das war keine gute Idee. Du bist mit deinen Erfahrungen im Kontakt, spürst nach was sich im Ärger, in der Großzügigkeit, im Mitgefühl, in der Langeweile, in der Ungeduld usw. versteckt. Spürst diese Erfahrungen im Körper, und angenehm oder........

 

Ergründen ist jener Aspekt, der die Erkenntnismeditation von der Sammlungsmeditation unterscheidet.

Fred von Allmen

 

Wir erforschen unsere (die!?) Wirklichkeit nicht einfach durch intensives Nachdenken (das hilft auch manchmal weiter und ist notwendig), sondern in dem wir von Moment-zu-Moment gewahr sind was sich tut, ändert sich etwas, habe ich das in der Hand, stellt mich eine bestimmte Erfahrung auf immer zufrieden. Wie fühlt es sich an, ständig zu beobachten wie alles Entstandene früher oder später auseinander fällt und wie anstrengend es ist, alles wieder zusammen zu basteln? Wie oft gehe ich den gleichen Weg und wundere mich, dass das Resultat jedes Mal das selbe ist!? Überraschung.........Kann ich alles etwas entspannter, aber trotzdem nicht lasch angehen!? Interessiert, aber nicht verbissen.

 

Weisheit kultivieren bedeutet Ergründen. Es ist der Wunsch danach, zu verstehen.
Sayadaw U Tejaniya

 

Diese Qualität des Ergründens ist ganz wesentlich in der Vipassana-Meditation, dabei geht es um Befreiung oder zumindest mehr Freiheit in unserem Leben. Also kein Rumtheoretisieren, sondern ein erspüren, ein Schritt halten mit und Schlüsse ziehen aus dem was geschieht.

 

Was fördert die Erforschung der Wirklichkeit? Wege zur Entwicklung von Ergründen, Erforschung sind z.B.:

1)    Fragen stellen

2)    Ein ausgeglichener Geist

3)    Dumme meiden, Weise sich zu Freunden machen

4)    Nachdenken über tiefe Wahrheiten

5)    Völlige Hingabe

6)    Inspiration, Ruhe, Umgang mit inspirierenden Menschen

7)    eine kontinuierliche Achtsamkeitspraxis

8)    Austausch mit WegefährtInnen

 

Ein vorausgehendes klares Verständnis der Lehre ist unabdingbar, wenn wir auf dem Weg
vorwärtskommen wollen. Sonst sind wir wie Reisende, die ein bestimmtes Ziel erreichen möchten,
ohne aber zu wissen, wo dieses liegt und wie man dorthin kommt.

Fred von Allmen

 Energie, enthusiastisches Bemühen

Weises Bemühen, Tatkraft, Anstrengung, Energie (Virya) sind ein zentrales Element auf dem spirituellen Weg. Wir suchen nach Wegen uns in Schwung zu bringen, entspannt, diszipliniert, aber nicht grimmig, verkrampft, ehrgeizig.

Es braucht eine klare, ruhige, nachhaltige Energie, nicht eine hektische, emotional geladene Energie.

 

Energie läßt unser Praktizieren zum freudvollen Tun werden. So gewinnen wir wirkliche Lebenskraft. Unsere Augen leuchten und wir gehen mit festen, sicheren Schritten.

Thich Nhat Hanh

 

Traditionell sieht das im Buddhismus so aus:

a) Bemühen in Herz/Geist entstandene (Kleshas) unheilsame Eigenschaften versiegen zu lassen                

b) Bemühen in Herz/Geist noch nicht entstandene unheilsame Eigenschaften nicht aufkommen zu lassen.

c) Bemühen in uns vorhandene (Sobhanas) heilsame Eigenschaften zu mehren.

d) Bemühen noch nicht in uns vorhandene heilsame Eigenschaften entstehen zu lassen.

 

Das klingt für uns Praktizierende vielleicht nicht so aufregend, und wir haben andere Vorstellungen wie eine energiegeladene Praxis aussehen sollte (ich sitze so lange bis ich erleuchtet bin, bloß nicht bewegen, jeden Tag x Stunden stilles Sitzen, 3 Monatsretreat, Erleuchtung oder...... usw.). Die Betonung liegt hier aber auf kontinuierlichem, weisem Bemühen, einer Anstrengung die uns nicht erschöpft sondern durch die Höhen und Tiefen dieses Weges trägt. Es ist ein Marathon, bei dem wir uns nicht erlauben können, uns auf den ersten 100m zu verausgaben. Wir haben das Ziel im Auge, das spornt uns an, aber wir machen auch Pausen, verweilen, halten inne, um zu sehen, ob wir unsere Energie klug einsetzen oder weiter stolpern.

 

Im Laufe des Übens müssen wir die Achtsamkeit nähren indem wir lernen, für unseren Körper zu sorgen und intensiver in ihm zu leben.

Jack Kornfield

 

Es gibt verschiedene Formen von Anstrengung, bei denen es ist sie zu kennen/verstehen :

1) initierende, einleitende Anstrengung – der Mut zu beginnen, Liebe auf den ersten Blick und dann meditative Flitterwochen

2) befreiende, transzendierende Anstrengung – wenn`s schwer wird dranbleiben, mit Zuversicht, entschlossen

3) entwickelte oder fortschreitende Anstrengung – gewinnt an Kraft, Kontinuität, keine Fragen mehr, es ist klar.

 

Die symbiotische Beziehung zwischen Inspiration und Bemühung führt dazu, dass wir uns eifrig der Meditation widmen.

Sakyong Mipham Rinpoche

 

Wir sind eventuell zu Beginn verzaubert von Meditation, meistens wenn es angenehm ist, dann entstehen waghalsige Pläne von jahrelangen Retreats bis zu einem Leben als Mönche/Nonne. Unweigerlich fällt das Flitterwochengefühl irgendwann weg, dann ist es langweilig, schmerzhaft, sinnlos, ärgerlich usw., da braucht es transzendierende Anstrengung, wir suchen nach Kraftquellen die uns erlauben dranzubleiben (whatever gets you through the night). Irgendwann stellt sich die Frage vielleicht nicht mehr: Warum mache ich das? Wir wissen und gehen unseren Weg unbeirrt weiter.

 

Wir bleiben am Ball, wenn die Flamme der Inspiration in unserem Herzen brennt.

Sylvia Wetzel

 Freudiges Interesse, Entzücken

Interesse und Freude sind Voraussetzungen für und Früchte von einem spirituellen Weg, also wenn der zweite Teil nicht verlockend klingt.....

Piti freudige Anteilnahme, Begeisterung, Verzückung, Interesse, Leichtigkeit, Beweglichkeit ist ein zur Gruppe der Geistesformationen (sankhara-khandha) gehörender Geistesfaktor und kommt in folgenden Zusammenhängen vor:

 

Freude (Piti) im Zusammenhang der Jhana (Versenkungs-)-Faktoren: 
angewandte Aufmerksamkeit (vitakka)

anhaltende Aufmerksamkeit (vicara)

Interesse, Freude, Entzücken (Geistesfaktor) (piti)

Glückseligkeit (Gefühlstönung) (sukha)

Einsgerichtetheit (ekkagata)

 

Freude (Piti) im Zusammenhang der Brahmaviharas (erhabene Verweilungen)
Liebevolle Güte (Metta)

Mitgefühl (karuna)          

Mitfreude (mudita)

Gleichmut (upekkha)

Praktizieren, dann darüber sprechen.......stimmt es!? Oder Wunschdenken!? Taucht da freude auf!?

 

Freude ist das Tor zu Nirvana/zur Befreiung  

Buddha

 

So weit der eher trockene buddhistische Teil der Erklärungen. So wissen wir, wo wir unter Umständen mit Freude oder gar Entzücken rechnen können. Der Weg dorthin mag oft mühsam, holprig sein, gekünstelt wirken. Lange Praxisperioden, wir können es nicht erzwingen und brauchen trotzdem die Energie uns der Übung zu widmen. 

Mit Achtsamkeit wenden wir uns immer wieder der gegenwärtigen Erfahrung zu, mit der Zeit mag es uns gelingen, dass unsere Aufmerksamkeit auf dem jeweiligen Objekt verweilt und wir im Stande sind entspannt genauer und differenzierter hinzuschauen, hin zu spüren. Allein schon die Fähigkeit nicht immer abzuschweifen bringt Ruhe in unser System, das kann sich schon mal ganz angenehm anfühlen. Der Umstand mehr zu sehen, zu verstehen weckt unser Interesse und ein Glücksgefühl das nicht im Zusammenhang mit dem Meditationsobjekt auftaucht kann entstehen. Dieses Interesse unterstützt unsere Forschungsreise und beflügelt uns. Wenn das alles so läuft, also keine überhöhten Erwartungen.......

Das war der Werbeblock für eine stetige, entspannte Praxis.

 

Ohne Freude/Interesse würden wir die Übung gar nicht beginnen

Fred von Allmen

 

5 Arten der Freude, die uns begleiten können.
1) kleine Freude – erste Hindernisse in der Meditation überwunden, ein erster Geschmack

2) momentane Freude – blitzartig, intensiver als 1) 

3) überwältigende Freude – Glückswelle verschlingt den Yogi, nur nicht dran kleben bleiben

4) erhebende, erheiternde Freude – leichtes, schwebendes Empfinden

5) durchdringende Freude – erfüllt den Körper, phantastisch bequem, weiter praktizieren.

Da kann man schon mal neugierig werden........

 

Die Wechselbeziehungen von Freude mit den übrigen Erleuchtungsfaktoren:

Freude verhindert müssiges Ruhen (passaddhi)

Freude macht Sammlung tiefer und müheloser (samadhi)

Freude verhütet Gleichgültigkeit und Apathie (upekkha)

Ruhe (passaddhi) verhütet Überschwang, verankert in Ruhe

Sammlung (samadhi) lässt Piti/Freude entstehen

Gelassenheit (upekkha) schützt vor Anhaften

 

Du wirst Freud und Leid haben, wie jeder Mensch auf dieser Welt; du wirst umso mehr Freud und Leid haben, je inniger du die Deinen liebst; aber eine solche Freude wird dich glücklich und ein solches Leid wird dich groß machen.

Peter Rosegger

 

Eine große Herausforderung ist es nicht an dem angenehmen Gefühl der Freude, Leichtigkeit, Begeisterung, des Entückens festzuhalten (so es sich denn einstellt). Es ist eine Station auf dem Weg, aber nicht das Ziel, denn auch dieser Geisteszustand wird sich verändern. Deshalb den Moment genießen, sich daran stärken und sich klar machen, auch das wird sich ändern und tschüß........

 

Begeisterung ist eine Art geistiger Leichtigkeit und Offenheit, die alle nur möglichen Umstände mit Interesse aufnimmt.

Jack Kornfield

 Ruhe

Innere Ruhe ist ein Zustand frei von Sorgen, man könnte es auch als Gemütsruhe, Geistesruhe, Stille bezeichnen. Diese innere Stille brauchen wir immer wieder, um uns zu sortieren, zu verorten. 

Echte Tatkraft ist immer verbunden mit einem gestillten Geist. Ruhe unterstützt das Entstehen von befreiender Erkenntnis. "Aus der Ruhe kommt die Kraft" sagt schon der Volksmund, nicht schlecht.

 

Passadhi – bedeutet kühle Ruhe. Kühle und Ruhe des Geistes können nur auftreten, wenn das Hin und Her des Geistes und seine Aufgeregtheit aufhören.

Sayadaw U Pandita

 

Was hilft bei der Entwicklung von Ruhe (traditionell nach Sayadaw U Pandita):

1) richtige Nahrung – notwendig, angemessen

2) gutes Klima

3) eine bequeme Haltung

4) weder übermäßige Begeisterung noch Schlappheit – ausgeglichene Anstrengung

5) misslaunige, rohe, grausame Menschen meiden

6) ruhige und liebenswürdige FreundInnen suchen

7) den Geist der Friedfertigkeit geneigt machen

 

Die traditionellen Beschreibungen klingen meistens ganz gut, sind aber oft Lichtjahre von unseren Wirklichkeit entfernt. Im Alltag findet ein ständiger Wettkampf um unsere Aufmerksamkeit statt, es bleibt kaum Zeit Luft zu holen. Schnell bei rot noch über die Ampel gerannt, so weit wie möglich nach vorne, wenn es von zwei auf eine Autospur geht, im Supermarkt an den Self-Checkout, kurz einen Cappuccino, Erleuchtung an einem Wochenende, kein Moment Langeweile oder nix passiert und jetzt, WhatsApp-check, Wetter-App usw. Wenn wir uns aus diesem atemlosen Wettrennen ausklinken überfällt uns oft bleierne Müdigkeit oder wir flüchten uns erneut in Aktivismus. Geistesruhe wird nicht gerade staatlich gefördert, obwohl jede/r sie gerne hätte.

 

Wenn du erregt bist, ist ein achtsamer Gang in einem Park oder Garten eine gute Möglichkeit wieder zur Ruhe zu kommen.

Thich Nhat Hanh

 

Gute Idee, aber selbst der Weg zum Park ist gepflastert mit Ablenkungen. Meistens stehen wir so unter Strom, dass uns gar nicht auffält wie unser Leben dahin rast. Innehalten, aufwachen aus dem traumwandlerischen Schweben durchs Leben braucht Mut und Geistesgegenwart. Die Gemütsruhe, die Stille muss geschickt eingeladen werden, gedeiht in einer Athmosphäre von Motivation, Inspiration und dem Mut zur Lücke.................

 

Die Lücke kann ein Meditationsabend sein oder eine längere Auszeit, die tägliche Praxis oder die Wanderung, der Saunabesuch. Die innere Ruhe wird in den meisten Fällen auch kein Dauerzustand sein, aber kann sehr heilsam wirken und den Anstoß geben uns tiefere Fragen zu stellen, kann ein erster Schritt in Richtung größerer Offenheit und Gelassenheit sein.

Dadurch können sich neue Perspektiven eröffnen.

 

Der menschliche Geist sucht, unterschwellig oder sogar bewusst, einen Weg auf dem er zu Ruhe, Glück, und innerem Frieden kommt.

Ayya Khema

 Sammlung

Der Geist ist gesammelt und in der Lage sich auf ein Objekt auszurichten, dort zu verweilen. In einer Zeit des Multi-tasking kein leichter Job. Alles will unsere Aufmerksamkeit kidnappen (ein geistiger Kriechstrom....), oft bleibt uns kaum Zeit den Geist wieder einzusammeln, zu stabilisieren.

Wir müssen üben den Bewegungen unseres Geistes bewußt zu folgen, uns das Recht zurückerobern ihn hierhin und dorthin zu begleiten, wissen was Sache ist. Das ist ein Geistestraining, einfach so weiterdaddeln hilft nicht weiter, von alleine stellt sich Sammlung nicht ein. Und gleichzeitig entspannt bleiben...........stöhn.

 

Sammlung befreit uns nicht, aber sie stellt ein inneres Umfeld bereit, das ausgesprochen empfänglich für transformierende Weisheit ist.

Christina Feldman

 

Welche Rolle spielt Sammlung?

- bringt uns innere Ruhe

- stärkt die Fähigkeit in das Wesen der Dinge zu dringen, sie zu verstehen, dranzubleiben.

- Sammlung, Konzentration ist notwendig um Energie, Entschlossenheit, Ruhe zu kultivieren

 

Was fördert Sammlung?

Ruhe, Energie, Freude, Erforschung, Achtsamkeit es hilft zum Beispiel die gesammelten Erleuchtungsfaktoren auszubalancieren . Die Achtsamkeit gibt uns wichtige Hinweise wo etwas aus dem Ruder läuft, eine Korrektur notwendig ist, eine Art spirtuelles GPS.
 

Gegenmittel für die 5 Hindernisse, damit sich Sammlung entwickeln kann:
Angewandte Aufmerksamkeit (Vitaka) hebt auf Schläfrigkeit (Thina Middha)

Anhaltende Aufmerksamkeit (Vicara) hebt auf Zweifel (Vicikicca)

Freudiges Interesse (Piti) hebt auf Haß, Aversion (Dosa)

Glückseligkeit (Sukha) hebt auf Ruhelosigkeit (Udhacca)

Einsgerichtetsein (Ekagatta) hebt auf Verlangen (Lobha)

 

Wenn uns Gedanken oder Emotionen in der Meditation davontragen, kehren wir immer wieder zum Atem zurück, dem Anker, der uns mit dem gegenwärtigen Augenblick verbindet.

Sylvia Kolk – Segeln im Sturm

 

So kann ein gut orchestriertes Ballett der Erleuchtungsfaktoren aussehen. Wir richten unsere Aufmerksamkeit aus, bleiben am Objekt das auftaucht dran, es entsteht Freude, die sich zur Glückseligkeit steigern kann und einsgerichtet enttarnen wir das Verlangen, das uns nicht glücklich macht. Aufgezählt hört sich das einfach und faszinierend an, aber es will getan sein und manchmal/oft kommt etwas dazwischen.

 

Bei all der Faszination die Sammlung (Konzentration) mit sich bringt, sollten wir nicht vergessen:

- Der Geist wird gereinigt, aber das ist noch keine Befreiung.

- Sammlung kann reinigend und fördernd für heilsame Qualitäten wirken.

- Die geistigen Blockaden sind für eine Zeit unterdrückt, nicht befreit (feiern oft ein Comeback)

- Verbissenes Sich-Bemühen um Konzentration kann zu ganz schönen Verspannungen in Geist/Körper führen.

- Anhaftung an angenehme, entrückte Zustände kann sehr verführerisch sein (Ich glaube ich hab`s jetzt).

- Sammlung für sich ist nicht gut/schlecht, hängt vom Objekt und der Motivation ab.

 

Sammlung entsteht durch stetige Ausrichtung des Geistes auf ein Objekt. Diese Stetigkeit erfüllt den Geist mit enormer Kraft. So wie Licht, das in einem Laserstrahl konzentriert wird, Stahl durchschneiden kann, vermag der gesammelte Geist tief in den Prozess von Körper und Geist eindringen und die Bereiche des Bewusstseins gründlich zu erforschen.

Jack Kornfield

 Gleichmut, Gelassenheit

Gelassenheit versetzt uns in die Lage jeder Erfahrung ohne Anhaften oder Ablehnung, und auch nicht dumpf zu begegnen (dann wäre es Gleichgültigkeit). Klingt attraktiv oder !?
Was stellen wir uns unter Gleichmut, Gelassenheit vor? Sind wir im Kontakt mit unserer Erfahrung?
Welchen Ausdruck würden wir verwenden: cool, gelassen, passiv, distanziert, unbeteiligt, engagiert, langweilig, ruhig, glücklich, gefühllos, entspannt, interessiert, distanziert.........

 

Konstruktive Gelassenheit ist kein Selbstläufer. Sie wird aber möglich, wenn wir sie zusammen mit drei weiteren Haltungen einüben: Wohlwollen oder Güte, Freude und Mitgefühl. 

Sylvia Wetzel

 

Wir bewundern Menschen die nichts aus der Ruhe bringen kann, die angesichts von großen Herausforderungen ihre Balance bewahren können, um dann angemessen zu handeln. Wirkliche Gelassenheit braucht aber Wachheit, Geistesgegenwart, sich nicht getrennt fühlen. 

Wo ist es am schwierigsten für uns Gleichmut zu erfahren, gelassen zu bleiben?

Die größten Herausforderungen in meinem Leben für eine gleichmütige Haltung? Strassenverkehr ist oft ein guter Gradmesser wie es mit der Gelassenheit aussieht (road rage). Situationen in denen wir mit Ungeduld, Mangel, Verwirrung konfrontiert sind, auch spannende Praxisgebiete. Überall lauern Gelegenheiten die unsere guten Absichten herausfordern. 

 

Die größte Erkenntnis ist es, dass das Leben genau so ist, wie es sein sollte.

Buddha

 

Gelassenheit, Gleichmut kommen mehrfach im buddhistischen Praxisuniversum vor:
Teil der Brahmaviharas, göttlichen Verweilstätten (liebende Güte, Mitgefühl, Mitfreude)
Einer der 25 Wunderbaren Geistesfaktoren, Sobhanas (Vertrauen, Achtsamkeit, Mitgefühl, Großzügigkeit, Ruhe usw.)

Ist ein Aspekt der 7 Erleuchtungsfaktoren, Bojjhangas (Gewahrsein, Ergründung, Energie, Freude, Ruhe, Sammlung).

In was habe ich Vertrauen und bleibe dadurch auch gelassen in schwierigen Situationen?

Was wirft mich aus dem Gleichgewicht? Das muß ich erkennen, verstehen, spüren.

 

Gleichmut ist Ruhe des Geistes, eine leuchtende Stille, dank derer wir ungeachtet aller wechselnden Erfahrungen, die unsere Welt und unser Leben ausmachen, stets in der Gegenwart bleiben können.

Das ist einfach das Leben. Niemand in dieser Welt erlebt ständig Freude und nie Schmerz, und niemand hat nur Gewinne und nie Verluste.

Sharon Salzberg-Geborgen im Sein

 

Wie Gleichmut entwickeln? Was hilft?

Wie kann ich Gleichmut entwickeln? Was braucht es dazu? 

Es gibt Bedingungen äußerer Art, z.B. Einsicht/Meditation/Übung, Reflektion, balanciertes Bemühen, Entspanntheit, Muße was unterstützt mich noch?
Formelle Gleichmutsmeditation kann man mit folgenden Sätzen üben:

Mögen wir alle Dinge akzeptieren wie sie sind

Möge ich den Ereignissen dieser Welt sowohl mit Mitgefühl als auch mit Gleichmut entgegentreten. 

 

Mag dir dies und das geschehn, lerne still darüber stehn, sieh dir selber schweigend zu, bis das wilde Herz in Ruh.

Christian Morgenstern 

 

Herausforderungen auf dem Weg:

Gleichmut kann leicht mit Gleichgültigkeit (ihrem nahen Feind) verwechselt werden. Da kommt nichts an uns ran. Cool ist eine pervertierte Form von Gleichmut, da erkalten wir, verkümmern, da uns das Leben nicht mehr berührt, erreicht. Wir wollen keine Schwäche zeigen und sind getrennt von unseren Gefühlen, direkten Erfahrungen, aber auch von unserem Potential.

Der Gegenpol von Gleichmut, Gelassenheit  ist Aufgeregtheit, Anhaften, Haß, da werden wir fortgerissen und reaktiv. Da ist das Problem offensichtlich.

 

Möge ich die Kraft haben die Dinge zu verändern, die ich verändern kann, die Geduld zu akzeptieren, was ich nicht ändern kann und die Weisheit, den Unterschied zwischen den beiden zu erkennen.

Franz von Assissi