Es gibt verschiedene Meditationsmethoden, z.B. Mantra singen, analytische Meditation, Energiearbeit, reine Konzentrationspraktiken, dynamische Meditation etc.
Hier geht es um Vipassana (Achtsamkeits-, Einsichts-, Erkenntnismeditation). Achtsamkeit ist oft ein bisschen irreführend (so eine Art Wachdienst bzw. vorsichtig sein, auch ein Einbrecher muß achtsam sein, sonst......), der Begriff Gewahrsein, Geistesgegenwart paßt meiner Ansicht nach besser zu der Art von Wachheit die es braucht. Das ist die Vorraussetzung überhaupt irgendetwas mitzubekommen. Gewahrsein zum Zwecke der Einsicht, des Verstehens, diese Motivation ist wesentlich.
Ohne Wahrnehmung, Achtsamkeit – Automatischer Pilot, "business as usual" na denn viel Spaß.
Achtsamkeit, Geistesgegenwart, Gewahsrein zu entwickeln, zu etablieren ist für alle weiteren Schritte auf dem inneren Weg von entscheidender Bedeutung, ohne Gewahrsein wird es schnell zur Geisterbahnfahrt.
Die grundsätzliche Vorgehensweise für diese Variante von Vipassana ist wie folgt (es gibt noch viele andere mögliche Vipassana-Zugänge):
1) Zuerst sollte die Sitzhaltung bequem, entspannt, aufrecht sein, der Körper muß kooperieren, also Freundlichkeit und Sensibilität gegenüber unserem aktuellen Fahrzeug ist angebracht und hilfreich.
2) Zwei Aspekte sind dann wichtig mit denen wir arbeiten:
a) Etwas Ruhe entwickeln (calm enough), Geistesruhe, Sammlung hilft uns dranzubleiben.
b) mit dieser Geistesruhe das Gewahrsein öffnen, einen weiten, klaren Blick entwickeln, um zu verstehen wie unsere Schwierigkeiten und tiefe Zufriedenheit entstehen. In diesem Gewahrsein finden nach und nach alle auftauchenden Erfahrung einen Platz (die ganze Katastrophe heißt es bei Alexis Sorbas).
a) Sammlung, Konzentration, Geistesruhe, Ruhe entwickeln
Wir nehmen uns einen Anker (im Sitzen, Stehen, Gehen, Liegen und dazwischen) und kehren immer wieder dahin zurück, daraus kann Ruhe entstehen. Das braucht einen Ozean an Geduld, alle möglichen Gründe, dass etwas anderes wichtiger wäre können einen Auftritt haben.
Das ist so eine Art Hundetraining (Sitz, oh ein Knochen; sitz, Futter; sitz, ein netter Mensch usw.), tausend Mal und mehr. Das Abschweifen ist bereits Teil der Meditation, kein Fehler, sondern ein Anlaß zur Freude, wenn ihr es bemerkt.
Mögliche Meditationsobjekte zur Entwicklung von Sammlung
a) Atem (immer zugänglich, neutral), wird nicht immer nicht spektakulär sein, nichts Mystisches, er ist einfach da oder ihr habt ein echtes Problem
- an der Nase das Einatmen-Ausatmen wahrnehmen
- an anderen, deutlich spürbaren Bereichen (Brustkorb, Nabel) zur Kenntnis nehmen
b) zählen von 1-10 (anspruchsvoller als gedacht.....)
c) Berührungspunkt auf dem Kissen, der Sitzunterlage, bei der Gehmeditation sind es die Füsse auf dem Boden.
d) hören (nicht lauschen, man beachte den kleinen Unterschied) bringt uns direkt in den Moment.
e) Fragen nach dem aktuellen Geisteszustand wie z.B.: Wer bin ich? Wer atmet? Was ist gerade Sache?
Alles was uns mit dem gegenwärtigen Moment in Verbindung bringt.
Es braucht genügend Sammlung, Geistesruhe um genauer hinschauen zu können und dabei zu bleiben
1) Zuerst die Aufmerksamkeit, Achtsamkeit ausrichten, d.h. immer wieder
z.B. zur Bewegung des Atems oder einem anderen von uns gewählten Meditationsobjekt zu gehen.
2) Dann mit der Aufmerksamkeit, achtsam am Objekt dranbleiben,
"kleben", um immer näher an das Wahrgenommene, das Meditationsobjekt heranzukommen, es genauer zu sehen, vertraut damit zu werden und tiefer zu verstehen. Durch diese Annäherung wird das Wahrgenommene auch interessanter. Das braucht Übung, wie das Erlernen eines Instruments, Handwerks o.ä. später, allmählich dann als nächsten Schritt
b) das Gewahrsein, die Wahrnehmung allmählich öffnen
Nach und nach wach, kommen wir in Kontakt mit allen Sinneseindrücken, Geisteszuständen. Mit interessierter, nicht-wertender Achtsamkeit und einer inneren Haltung der liebevollen Gelassenheit begegnen wir den Phänomenen die erscheinen, so weit es uns möglich ist.
Bereiche der Achtsamkeit, des Gewahrseins:
1) Körper (Haltung, Atem, Tätigkeiten-Kāyānupassanā)
kalt, warm, stechen, jucken, fliessen, verspannt, entspannt Sinnesempfindungen (hören, sehen, riechen, schmecken, fühlen) u
2) Gefühls- /Körpertönungen (Vedanānupassanā) angenehm – unangenehm – neutral (kommen ungefragt mit jeder Erfahrung)
3) Geist und Herz (Cittānupassanā)
Bewußtseins-/Geisteszustände - Liebe/Hass, Grausamkeit/Mitgefühl, Sammlung/Zerstreutheit, Wachheit/Schläfrigkeit, Stimmungen, Emotionen, Freude, Angst, Interesse, Langeweile, Ärger, Gelassenheit, Verlangen, Anhaften, Sehnsucht, Zufriedenheit, Mitfreude, Neid, liebevolle Güte, Verwirrung, Klarheit, Hass, Freundlichkeit usw. das ganze Programm.
4) Objekte des Geistes und des Herzens, Geistesinhalte, Gedanken (dhammanupassana) achtsam wahrnehmen
Hemmnisse der Meditation (Verlangen, Aversion, Müdigkeit, Ruhelosigkeit, Zweifel)
Aggregate - Körperlichkeit/Gefühlstönung/Unterscheidungsvermögen/Bildekräfte/Bewußtsein
Vier Edlen Wahrheiten (Leiden, Ursachen, Befreiung, der Weg)
Faktoren der Erleuchtung (Gewahrsein/Ergründung/Energie/Freude/Ruhe/Sammlung/Gleichmut)
Indriya/spirituelle Fähigkeiten – Achtsamkeit/Bemühen/Sammlung/Vertrauen/Weisheit)
-Wenn kurz: im Hintergrund lassen
-Wenn länger: kurz benennen „Denken, Denken“
-Wenn öfter dasselbe: kurz präziser benennen –„Planen, Erinnern, Kommentieren, Werten, Urteilen, Tagträumen, Analysieren, Philosophieren.
- bei wiederholtem Denkmuster: schauen, ob nicht eventuell unerkannte Emotionen das Muster immer wieder von Neuem anheizen. Diese Emotion sich fühlen lassen (im Körper, als Geisteszustand, die Gefühlstönung)
Bei dieser Forschungsreise stets darauf achten, ob wir ruhig und ohne Agenda bei dem Aufgetauchten verweilen können, es kennenlernen oder, ob wir einem Masterplan folgen, ein bestimmtes Ziel haben.
Es geht nicht ums Denken über die Erfahrung des Moments, sondern um ein direktes im Kontakt sein.
Der erste und wichtigste Faktor des Erwachens ist Achtsamkeit. Smriti bedeutet wörtlich „erinnern“, d.h. nicht vergessen wo wir sind, was wir tun und mit wem wir zusammen sind.
Es ist dein Leben, verpass es nicht.
Wenn nichts anderes vordergründig ist in der Meditation: Zurück zum Atem. Nichts erzwingen, nicht urteilen, entspannt bleiben und präsent.
Es geht um Einsicht in die 3 Charakteristika des Lebens (verstehen was Sache ist!!):
Wir nehmen wahr, betrachten: das Kommen, Gehen, Erscheinen, Verschwinden, Entstehen, Vergehen, Geboren werden, Sterben, Erklingen, Verklingen,
1) Unfähigkeit der jeweiligen Erfahrung bleibende Erfüllung zu schaffen (Dukkha)
- Irgendetwas stimmt nicht, ist nicht-zufriedenstellend, Angst, Stress, Unzulänglichkeit, Enttäuschung, Leiden, Frustration,
Unbehaglichkeit, Verzweiflung, Schmerzen, Langeweile, eine endlose Liste von Möglichkeiten steht uns zur Verfügung.
- Nichts unter den erschaffenen, entstandenen Dingen des Daseins gibt eine immerwährende, fortdauernde Befriedigung.
- Das Leben ist fragil, in diesem Körper sind wir der Möglichkeit des Leidens ausgesetzt.
2) Wandel, Vergänglichkeit (Anicca)
- Vergänglichkeit, Unbeständigkeit, Veränderung, Wechselhaftigkeit, Wandel, im Fluß von Werden und Vergehen.
Was zusammengekommen ist wird sich trennen, was entstanden ist wird vergehen.
Es ist wichtig Beginn und Ende der jeweiligen Erfahrung wahrzunehmen.
3) Nicht-Ich, Nicht-Mir, Nicht-Mein Aspekt und Nicht-Selbstexistenz der jeweiligen Erfahrung (Anatta)
- Kein unabhängiges, unveränderliches Selbst/Wesenskern/Seele ist zu finden oder!?
- Ein Lebewesen, eine Person ist ein komplexer, lebendiger Prozess, der in Abhängigkeit von zahllosen Ursachen und
Bedingungen entstanden ist und existiert. Es bedeutet keinesfalls, dass nichts ist oder existiert, nur nicht so solide und
unveränderlich wir wir es auf den ersten Blick annehmen.
Was bewirkt Anhaften, Festhalten sowie Ablehnen, Aversion?t
Was folgt auf Loslassen und Annehmen?
Rechte Achtsamkeit ist die Fähigkeit des Geistes wahrzunehmen was ist, ohne die Erfahrung zu werten, an ihr zu haften oder sie zu manipulieren.
Mit der Achtsamkeit beginnen wir, dies ist die erste Zutat des Buddha-Rezepts zum Erwachen.
Es reicht nicht, einfach zu denken, Liebe ist eine gute Idee. Da gibt es Arbeit zu erledigen, Aufmerksamkeit muss angewandt werden. Wir müssen es in unserem Verhältnis zu unseren Mitmenschen zum Ausdruck bringen.