Wir setzen uns auf unseren Meditationsplatz und weiten unser Gewahrsein ganz allmählich, sodass alle auftauchenden Phänomen erscheinen und zur Kenntnis genommen werden können. Ein guter Startpunkt ist einen Anker, eine Zuflucht, z.B. in Form des Atems zu etablieren, um gegebenenfalls dahin zurückzukehren, sollte der Actionfilm in unserem Geist zu heftig werden. Wir integrieren behutsam den Körper ins Feld der Wahrnehmung.
Körperempfindungen, wenn sie vordergründig sind, wir suchen sie nicht, fragen wir uns bleiben sie gleich, verändern sie sich? Wir unterscheiden kalt/warm, ist es ein Stechen/Jucken/Fliessen/Kribbeln, fühlen wir uns verspannt/entspannt, sind die Körperempfindungen angenehm/unangenehm/neutral. Wir bleiben direkt bei der Erfahrung, was ist es?
Die wahre Lebensweisheit besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.
Wir weiten das Gewahrsein zunehmend, schenken dem Hören, dem Sehen mehr Beachtung unter anderem mit dem Blick, ob sich da etwas ändert? Ist es angenehm, unangenehm oder weder noch? Welche Gedanken tauchen dazu auf? Beim Hören wird schnell deutlich erscheint, vergeht (mit Ausnahme nerviger Motorendauergeräusche vielleicht), taucht ungefragt auf, ist flüchtig, hat wenig Substanz.
Beim Sehen verhält es sich oft ein bisschen anders. Da wirkt vieles doch schon recht überzeugend, stabil, wirklich. Wir sehen Bäume, Häuser, Menschen, Maschinen, Landschaften, da spielen ganz andere Zeiträume eine Rolle. Wenn wir unseren Geist beüben, stellen wir fest, dass wir den Blick weich gestalten können, offen für alles was sich zeigen mag. Alternativ können wir fokussieren, unsere Aufmerksamkeit ausrichten, um etwas genauer in Augenschein zu nehmen, tiefer in die Natur des Angeschauten eindringen, sozusagen mit dem Mikroskop.
Ergründen ist die Qualität des Geistes, die alle Erfahrungen deren wir gewahr werden, untersucht, erforscht, genau betrachtet.
Die Fähigkeit des Geistes vom offenen Gewahrsein, vom Sehen zum Schauen überzugehen, flexibel zu sein müssen wir uns aneignen, trainieren. Wenn wir den Geist sich selbst überlassen wird er dahin gehen, wo am lautesten geschrieen wird, wo die grellsten Farben aufleuchten, wo die meiste Action ist. Gerade das Sehorgan kann uns sehr stark beeinflussen, lenken in Richtungen, die wir eigentlich nicht selbst gewählt haben. Wir sehen und wollen gesehen werden. Wir bekommen mit, wie wir fixieren, fasziniert sind, überwältigt werden vom Gesehenen. In der Meditation können wir verfolgen, verstehen lernen was uns wie verführt, was uns glückstauglich macht, und was uns verwirrt, unzufrieden macht. Wir können lernen wieder unseren Augen zu trauen, aber es braucht Übung, eine Beschäftigung damit.
Man muß sich auf durchdringende Weise all dessen bewusst sein, was entsteht. Dann kann der Geist Einsicht in die wahre Natur der Erscheinungen gewinnen.