Zurück

Vergänglichkeit und Abschiede - Was nun!?

Jede/r von uns kennt das: Körperliche Beschwerden,  der irgendwann unvermeidliche Gang zum Arzt, Diagnose, Unruhe, Veränderung steht im Raum, plötzlich ist die Lebensqualität, Lebenszeit in Frage gestellt. Aus dem Hier und Jetzt wandert alles in enormem Tempo ins Gehirn, ins Denken. Unterschiedliche Szenarien spielen sich in Endlosschleife ab, da schwant einem nichts Gutes. Plötzlich wird all die Beschäftigung mit Krankheit, Vergänglichkeit, Sterben sehr reell. Wie diesem Ansturm begegnen!?

Dann kommt die Überweisung zur Darmspiegelung, Panik, apokalyptische Visionen. Ich bin außer mir, keine klaren Gedanken mehr. Angst macht sich breit, jeder neue Gedanke befindet sich in guter Gesellschaft bereits etablierter pessimistischer Sichtweisen, alle Probleme stehen Schlange, um sich mal kurz im Scheinwerferlicht der Aufmerksamkeit wichtig zu machen, ihre Bedeutung zu unterstreichen. Wohnung, Krebs, Auto kaputt, Tod von Freunden, Operation die anstehen könnte, Einsamkeit, Nachlass, was wird aus der Familie, der Ehefrau, Beerdigungsorganisation, hätte ich doch mal usw……. Wie hilft da die Meditation, das Wandeln auf dem spirituellen Weg!?

 

Es gibt doch nur diesen einen Augenblick, und der ist jetzt. Hat irgendjemand von uns, oder sonst wo auf der Welt, eine schriftliche Garantie, dass er übermorgen – oder gar morgen – noch am Leben sein wird? Oder heute Nacht? Das ist doch nichts wie eine Hoffnung; natürlich eine berechtigte Hoffnung, wenn wir nicht todkrank sind, aber dennoch keine Garantie. „Wenn nicht jetzt, wann dann?

Ayya Khema

 

Wie kann ich in die Wirklichkeit des gegenwärtigen Moments zurückkehren? Wie kann ich Kontakt aufnehmen zur jetzigen Erfahrung, aussteigen aus dem Gedankenkarussell? Ist mir der Atem ein Helfer? Stehe ich auf beiden Beinen? Kann ich mir für Augenblicke klarmachen, dass ich mein Schicksal mit unzähligen Menschen teile? Mein Denken, und jetzt ist es wirklich „meines“, möchte mich beschützen, Strategien aufzeigen, die den Schmerz, die Unsicherheit lindern. Aber, wenn das Gift des Zweifels, der negativen Perspektive schon im Geist kursiert, helfen sie nicht weiter. Ich lese kluge, spirituelle Bücher, suche Halt in Gedichten, beschwöre die Schönheit des Lebens, aber nichts hilft wirklich. Wenn ich es nicht schaffe aus dem Kopf rauszukommen, ist das eine Abwärtsspirale. Kann ich mich erden mittels der unmittelbaren Erfahrung, durchs Berühren der Atembewegung, durchs Hören, durch den Kontakt des Körpers mit dem Untergrund?

 

Meistens ist es der Verlust, der uns über den Wert der Dinge belehrt.

Arthur Schopenhauer

 

 

Die Fähigkeit auch in den schwierigsten Situationen wieder zur Erfahrung des gegenwärtigen Moments zurückzukehren muss geübt, gestärkt werden, damit sie uns immer wieder als alternative Möglichkeit zu Panik und Niedergeschlagenheit zur Verfügung stehen kann. Wir trainieren unseren Geist wach und präsent zu sein, damit er sich nicht im Kampf mit den Tatsachen des Lebens, Vergänglichkeit, Unsicherheit, Leidhaftigkeit aufreibt und irgendwann resigniert. Das liest sich immer leicht, aber gerade, wenn zunehmend Abschiede in unserem Leben erscheinen, Abschiede von lieben Menschen, von Selbstbildern, von körperlichem Wohlbefinden, brauchen wir die Stärke diesen Abschieden, der Vergänglichkeit mutig zu begegnen, im Hier und Jetzt.

 

Leb in der Gegenwart, an diesem Tag, in diesem Moment. Was bleibt dir denn anderes übrig, als an diesem Ort dein Bestes zu tun?

Kodo Sawaki

 Zurück

teilen / abonnieren:

FolgenAbo