Wenn wir über den Atem den Geist etwas beruhigt haben, können wir die Zügel ein wenig lockern und auftauchenden Körperempfindungen unsere Aufmerksamkeit schenken. Wenn Körperempfindungen vordergründig werden schenken wir ihnen Beachtung, wir müssen nicht angestrengt danach suchen, die kommen schon von alleine.
Wir haben so wenig vertrauen in die Gezeiten des Lebens, der Liebe, der Beziehungen. Wir jubeln der steigenden Flut entgegen und wehren
uns erschrocken gegen die Ebbe. Wir haben Angst, sie würde nie zurückkehren. Wir verlangen Beständigkeit, Haltbarkeit, Fortdauer; und die einzig mögliche Fortdauer des Lebens wie der Liebe liegt im Wachstum, im täglichen Auf und Ab-in der Freiheit; einer Freiheit im Sinne von Tänzern, die sich kaum berühren und doch Partner in der gleichen Bewegung sind.
Das Gewahrsein körperlicher Phänomene scheint einfacher (stechen, jucken, fliessen, kribbeln, verspannt, entspannt, angenehme, unangenehm, kalt, warm) sie sind besser zugänglich da gröber. Wir können wahrnehmen, ob die Körperempfindungen gleich bleiben, intensiver werden, verschwinden. Bewegt es sich, wenn ich näher rangehe?
Wir gehen direkt zur Erfahrung und verlieren uns nicht im darüber nachdenken. Das kann eine interessante Gelegenheit sein Vergänglichkeit mitzuerleben, uns mit der Erfahrung zu beschäftigen, was ist es?
Gerafft verstehe ich unter vipassanä die anschauliche (nicht etwa nur begrifflich "etikettierende") Vergegenwärtigung der Drei Daseinsmerkmale in jedem Ereignis meines Erlebens - die fortlaufende und bewusste Erfahrung, dass jedes Phänomen meines Daseins unbeständig, abhängig und unpersönlich ist.
Wir machen uns mit dem Körper vertraut, beobachten das sich entfaltende Leben des Körpers. Bestimmen wir was geschieht oder müssen wir lediglich damit zurecht kommen was auftaucht? Leisten wir einen Beitrag, um das was ist schwieriger zu machen? Versuchen wir angenehme Körpergefühle auszudehnen, festzuhalten?
Wie gehen wir mit schwierigen Körperempfindungen um? Wie lange ist es sinnvoll, erkenntnisreich beim Schmerz zu bleiben, sollte er sich zeigen? Verlieren wir uns in Phantasien was da noch alles passieren könnte? Gehen wir gut mit unseren körperlichen Grenzen um? Ist unser Körper ein Freund oder ein Klotz am Bein?
Körpergewahrsein ist wichtig, wenn es in Richtung offenes Gewahrsein geht, denn viele Emotionen drücken sich körperlich aus und geben uns wichtige Hinweise, wie wir damit geschickter, heilsamer umgehen können.
Der Buddhismus lehrt, dass wahre Geduld mehr ist als bloßes Ausharren; sie ist eine aktive Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen Moment, eine Bereitschaft, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind, und eine mitfühlende Reaktion auf das Leiden anderer.
Mit weiser Aufmerksamkeit können wir die Gesetze entdecken, die unseren Körper, unser Herz und unseren Geist beherrschen.
Die Sattipathana Sutra, die ich für die Unabhängigkeitserklärung der Vipassana-Meditierenden halte, erklärt kühn, dass ein etabliertes Gewahrsein des Geist-Körper-Prozesses uns aus unserem Leiden befreien kann.