Was könnte das heißen – das Leben vereinfachen? Wo ist uns was zuviel? Was können wir weglassen und verlieren trotzdem nichts?
Wie oft macht uns die Masse an Angeboten, Informationen, Wahlmöglichkeiten unruhig, verwirrt, rat- und rastlos? Wie viele verschiedene Müslisorten, Käse, Tofu-Produkte, Kaffeesorten, Smartphones, Urlaubsziele, Schuhe, Filme, CDs usw. brauchen wir um glücklich zu sein!?
Wie viel Zeit nimmt das scannen der angeboten Dinge, Aktivitäten in Anspruch, wie viel Zeit verwenden wir darauf uns echt daran zu erfreuen!? Wie können wir in der Info-Tsunami einen klaren Kopf behalten, uns darauf besinnen was uns wirklich wichtig ist!?
Wenn wir damit experimentieren einfacher zu leben, z.B. in einem Meditationsretreat, erklären wir uns bereit auf einiges zu verzichten, dadurch vereinfacht sich unser Leben schlagartig. Wir legen das Smartphone für die Zeit beiseite, wir essen was uns angeboten wird, wir schweigen, d.h. wir verzichten auf Formen der Kommunikation, wir halten uns so gut es geht an den Tagesplan, wir akzeptieren eine reizarme Umgebung (keine Kicks), wir sitzen still, schränken unseren Aktionsradius ein.
Was macht das mit uns?
Sei in diesem Moment glücklich, das ist genug. Wir brauchen nicht mehr, als diesen Moment.
Oft drehen wir anfangs am Rad, nichts los, also schaltet unser Geist auf Energiesparmodus, sprich Schlaf, oder es wird sehr unruhig weil unsere üblichen „Drogen“ fehlen. Wir wünschen uns dringend irgendetwas oder wir finden alles blöd. Vielleicht fragen wir uns auch, wie wir auf diese eigenartige Idee gekommen sind hier für eine zeitlang rumzudaddeln wie Gemüse. Der Übergang von der Überfülle unseres Alltags zum erhofften einfachen Leben verläuft nicht gerade reibungsfrei. Es braucht Entschlossenheit und Geduld, um die Früchte eines einfacheren Daseins zu ernten.
Eventuell nehmen wir nach einer Weile Dinge wahr die uns vorher durchgeschlüpft sind, Vogelstimmen, Düfte, Details in unserer Umgebung, Geschmäcker, feine Körperempfindungen, Gesten, ein Lächeln. Unsere Sinne werden unter Umständen sensibler, wertschätzender, respektvoller. Unser Glück mag plötzlich nicht mehr in der möglichst lückenlosen Aneinanderreihung von großartigen Erfahrungen bestehen sondern in der größeren Wertschätzung des Gewöhnlichen, dessen das sich uns eigentlich immer bietet, aber jetzt anders wahrgenommen wird.
Die Begegnung mit den kleinen Wundern des Alltäglichen kann in der Meditation geübt werden und kann uns die Suche nach dem Dauerrausch, der ständigen Ekstase als verzweifelten Wettlauf mit der Vergänglichkeit enttarnen.
Die wahre Lebensweisheit besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.