Mensch ist mir langweilig, wie lange geht denn die Meditation noch, nichts passiert. Einatmen, ausatmen wie aufregend. Aber wenn die Sitzung zu Ende ist, eine Miso-Suppe, an Kühlschrank und einen löslichen Kaffee an der Yogi-Bar, dann ein Power-Walkman auf dem großen Loop, zurück Mittagessen, Mittagsschlaf und ……
Zuhause würde ich jetzt den Fernseher anstellen, YouTube auf dem Smartphone, Zeitung, Bücher, Gitarre spielen, Musik auflegen, irgendwas anschieben.
Wo bin ich eigentlich, ah ja nix los hier.
Das letzte Mal hatte ich den rechten auf dem linken Fuß, ah heute Abend Dharmatalk mit Carol, soll ich auf den Atme achten oder doch lieber offenes Gewahrsein oder vielleicht ein paar Mantren einstreuen, Metta, ich weiß nicht so recht was ein kluger nächster Schritt wäre, vielleicht doch ordinieren, Einzelretreat oder……
Einen großen Teil unseres Lebens verbringen wir im halbwachen Zustand. Meditation bedeutet aufwachen.
Jack Kornfield – Frag den Buddha
Wo bin ich eigentlich, was mache ich hier, ist ja überhaupt nicht spannend, passiert nix.
Gähn, stöhn, wie lange noch bis ich meine Meditationspflicht erfüllt habe!?
Was ist bloß mit meinem Geist los, der kann sich ja für gar nichts erwärmen. Alle gefühle gefühlt, alle Gedanken gedacht, schon gehabte Erkenntnisse sicher als Erinnerung verstaut, den Metta-Acker meiner Geschichte kräftig bearbeitet, der Affengeist mit enormer Energie von Ast zu Ast, bloß nirgends verweilen – oh Mensch ist das langweilig, hab ich, kenn ich.
Meine Fleißkärtchen gesammelt und in mein spirituelles Album eingeklebt, was bleibt.
Langeweile erkennen, nun das kann ja nicht so schwer sein.
Wo spüre ich Langeweile, wie äußert sie sich? Welche Gedanken begleiten sie? Welche Strategien springen mich an, wenn Langeweile auftaucht, auf dem Kissen, im Alltag?
Ist es manchmal ok, wenn mir langweilig ist? Ist Langeweile einfach nur ein Mangel an Aufmerksamkeit? Wie kann ich Interesse entwickeln am „nix los“-Phänomen? Kann ich mir ein Lächeln dabei bewahren und es auf die leichte Schulter nehmen im vertrauen, dass auch die Langeweile mir etwas beibringen kann?
Als Meditierende finden wir heraus, dass nichts jemals verschwindet, ohne uns die Lektion gelehrt zu haben, derer wir bedürfen.
Pema Chödron – Die Weisheit der Ausweglosigkeit