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Ärger in der Meditation - was nun!?

Ich koche auf dem Kissen, mir ist heiß und kalt, ich bin ärgerlich, wütend, empört. Es schmerzt, ist unangenehm. Manifestiert sich die Ablehnung in Gestalt von Angst, Langeweile, Feindseligkeit, Verurteilung oder Kritik. Jeder Erfahrung die auftaucht begegne ich mit Widerstand. Was immer erscheint nehme ich durch den Ärger-Filter wahr. Meditations-Sitzung zu lang, Schmerzen müssen weg (ich bin unfähig zu meditieren), der Vortrag öde, langweilig, die Meditationsanweisungen ungenau, ich ärgere mich über meinen eigenen Mangel an Einsicht und über die streberhafte Praxis meines Nachbarn. Ärger ist mächtig, mag sich von Übellaunigkeit über Angst zu Wut, Hass steigern. Ich habe selbst erlebt wie sich ein unkluger Umgang mit mir selbst zu einer regelrechten Hassorgie im Hinblick auf fast alles und fast jeden entwickelt hat. Die Motivation den Ärger loszuwerden ist groß, Hassobjekte kann man sich bei entsprechender Geistesverfassung aber zahlreich besorgen.

Wie schaffe ich es gelassen und gesammelt genug zu bleiben und die Auswirkungen von Ärger auf meinen Geist mitzubekommen?

 

Das Verlangen hat etwas Verführerisches, die entgegengesetzte Energie des Ärgers und der Ablehnung hingegen erleben wir viel deutlicher als unangenehm.

Jack Kornfield – Frag den Buddha

 

Wie bei allen schmerzhaften Geisteszuständen gilt es sie zu bemerken, wahrzunehmen im Körper, im Geist, als Handlungsimpulse. Wo spüre ich den Ärger? Ist es brennend, heiß, kalt, vibrierend. Welche Gedanken unterstützen, füttern die Empörung den Hass? Bin ich im Kampf mit dem was gerade stattfindet? Möchte ich möglichst rasch Gegenmittel zur Anwendung bringen (it does Metta), Liebende Güte, Rationalisierungen, Konzentrationstechniken, Mantren, Ablenkungsmanöver (ich denke meistens an 1860 München, um auszusteigen)? Kann ich für eine Zeit meinen Frieden mit meiner schlechten Laune schließen, lange genug, um mehr darüber zu lernen, um die Mechanismen besser zu verstehen? Kann ich einzelne Aspekte benennen, ist eher Hass oder Anspannung, Angst oder Trauer, Enttäuschung?

 

Man muss nicht frei von Angst sein. In dem Moment, wo du versuchst, dich von Angst zu befreien, erzeugst du Widerstand gegenüber der Angst. Widerstand in jeglicher Form bringt die Angst nicht zum Verschwinden. Was vielmehr vonnöten ist—anstatt wegzulaufen, zu

kontrollieren, zu verdrängen oder irgendeine andere Form von Widerstand zu zeigen--, ist, die Angst zu verstehen. Das bedeutet sie zu beobachten; etwas über sie zu lernen; in direkten Kontakt zu ihr zu treten. Wir müssen die Angst kennenlernen, nicht um zu lernen, wie man ihr entfliehen kann; nicht, wie man ihr mutig die Stirn bietet.

Krishnamurti: Der Flug des Adlers

 

Wir sorgen wir in der Stille der Meditation dafür, dass die miesen Gefühle bleiben, was flüstern wir uns innerlich zu? Was geschieht, wenn wir den gedanklichen Nachschub für Momente anhalten!? Welches tiefer liegende Interesse könnte ich daran haben, dass ich schlecht drauf bin!?

 

Es ist eigentlich so offensichtlich, dass alles was von Ursachen und Bedingungen abhängig entsteht, keine unabhängige, konkrete Realität hat oder anders gesagt: leer ist von unabhängiger Selbstexistenz.

Fred von Allmen

 

 

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