Begehren, Habenwollen und an dieser Idee, diesem Antrieb kleben zu bleiben prägt unser aller Leben mit unterschiedlicher Intensität. Auch in der Meditation ist das oft Thema. Obwohl es weniger Gelegenheiten zu geben scheint, werfen wir uns mit Wonne gerne auf Mahlzeiten, bevorzugte Gehmeditationspfade, Sitzplätze, ersehnen das Ende der Sitzmeditation, kultivieren Vipassana-Romanzen, Planungen für die Zeit nach dem Retreat sind in vollem Gang, Tagträume, Phantasien, in Zukunft zu haltende Dharma-Vorträge usw. halten uns auf Trab.
Die Energie des Verlangens hält uns ständig in Bewegung, sie lässt uns unentwegt nach etwas suchen, das uns letztlich und endgültig befriedigt.
Jack Kornfield – Einsicht durch Meditation S.62
Das alles geschieht in der Stille des Retreats, kein Zeuge was uns auf unserer inneren Leinwand antreibt. Diese Wünsche, Vorstellungen energetisieren uns, im Retreat oder im Leben, wir sind oft getrieben, unruhig, ungeduldig. Auf den ersten Blick fühlt es sich nicht einmal schlecht an oder riecht nach Leid.
Wenn wir unsere Achtsamkeit ein wenig stabilisiert haben, nähern wir uns diesen Gelüsten, respektvoll, interessiert, möglichst nicht urteilend und spüren was sie mit uns machen. Wie halten wir die Show am Laufen, welche Gedanken, Körpergefühle, Sinneseindrücke unterstützen, befeuern das Habenwollen!?
Verlangen, Begierde ist nicht das Problem, von ihm herumgeschubst zu werden schon.
Wie stellen wir es an, dass wir es fixieren, festhalten? Welches Interesse haben wir daran die Story am Leben zu halten? Was sind unsere Beweggründe? Irgendetwas bringt es uns ja, wenn auch oft unter Schmerzen.
Können wir da irgendwo Leidhaftes feststellen? Wie fühlt es sich an?
Ändert sich das Begehren, wird stärker, schwächer, verschwindet? Möchten wir überhaupt, dass es geht!?
Mit ruhigem interessiertem Beobachten verfolgen wir wie sich diese Zustände entfalten, bemerken vielleicht wie wenig Einfluß wir darauf haben, wie wir auf Knopfdruck unser Begehrenstänzchen aufführen, eventuell bekommen was wir möchten, aber genauso atemlos nach dem nächsten Kick gieren.
Wir schleichen uns an den Dämon des Habenswollens ran bzw. sitzen still, während er sich auf uns stürzt, und verstehen so vielleicht seine kleine Zirkusnummer, um zu lernen damit klug, geschickt, weise umzugehen.
Die „Freie Welt“ ist ökonomisch abhängig geworden von einem fantastischen System, der Gier die nicht befriedigt werden kann, des sexuellen Verlangens das nicht erfüllt werden kann, und des Hasses der keinen anderen Ausweg weiß als gegen sich selbst anzugehen, die Personen die man eigentlich lieben sollte oder die revolutionären Hoffnungen von bedauernswerten, verarmten Ländern wie Kuba oder Vietnam.
Gary Snyder – Buddhismus und die kommende Revolution