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Wie komme ich denn auf die Idee ein Dharmazentrum (mit) zugründen…..

Ich bin 1987 nach Jahren im Alternativen Milieu und einer gewissen Enttäuschung, in einem Tibetisch-buddhistischen Zentrum dem Aryatara-Institut in Niederbayern gelandet. Dort wurde ich interessiert und zugewandt empfangen, was schon mal ein angenehmer Unterschied zu der eher abgeklärten Atmosphäre in den Alternativkreisen war. Vor allem die damalige Direktorin Sylvia Wetzel prägte die weltoffene, aufgeschlossene Athmosphäre.

In meinen Berliner Jahren wurde mir klar, dass es zu echter und nachhaltiger Veränderung eine parallele innere Wandlung braucht, sonst werden einfach die Gallionsfiguren und Ideologien ausgetauscht (Sozialismus statt Kommunismus, Askese statt Konsumterror, Vegan statt Fleisch usw.), aber die inneren Kräfte die am Werk sind bleiben die gleichen anonymen KleindarstellerInnen und irgendein anderer ist schuld.

 

Wir haben mehr Energie und Ausdauer, wir bleiben wach und interessiert, wenn wir immer wieder unsere Motive klären. Mit der Meditation ist es wie im sonstigen Leben auch: Wir haben Zeit und Energie für alles, was uns am Herzen liegt.

Sylvia Wetzel

 

Bei aller Bewunderung der menschlichen Qualitäten der lehrenden Lamas, wollte mir die tibetisch-buddhistische Praxis nicht recht gelingen.

Zu Himmelfahrt 1988 wurde Vippasana/Einsichtsmeditation mit Fred von Allmen angekündigt. Ich hatte das Vipassana-Buch von Joseph Goldstein gelesen, ganztägiges Schweigen, Aufstehen 5.00, still sitzen, hin-und-her Gehen für viele Stunden, das klang ziemlich utopisch, neugierig war ich trotzdem.

Die Art und Weise wie Fred diese Praxis anleitete machte sofort Sinn für mich. Ich würde mich als neugierig, wissensdurstig, aufmerksam (mit gelegentlichem Hang zum Kontroletti) beschreiben. Diese Achtsamkeit statt auf die Um-/Mitwelt zu richten, nach innen zu lenken war ein riesiges AHA-Erlebnis.

Interesse zu entwickeln, um zu verstehen wie ich mich in die Sch….. reite bzw. wie ich innerlich rund laufe, mich und andere glücklich machen kann, war ausgesprochen spannend. Eine Forschungsreise nach innen schien möglich.

 

Diese Inspiration von Fred, kombiniert mit dem Wunsch „ein gutes Leben“ zu leben, etwas für mich und meine Mitmenschen Nützliches als Lebensunterhalt zu praktizieren, mit Menschen zu arbeiten und zu leben, das faszinierte mich.

Einen Ort zu schaffen an dem Menschen innehalten konnten, Kraft, Klarheit sammelten, undogmatisch, offen, aber klar ausgerichtet in Richtung Freundlichkeit, Mitgefühl und Engagement, das motivierte mich ungemein.

 

Es gab natürlich auch Zweifel. 

Wer bin ich denn ein buddhistisches Zentrum zu gründen? Ist das nicht unverschämt, anmaßend? Wo soll das Geld herkommen? Wo sollen die MitstreiterInnen herkommen? Wie fängt man so etwas überhaupt an? Wie kann ich mir anmaßen zu beurteilen wer einzuladen ist und wer nicht?

Die Fragen haben sich ganz allmählich selbst beantwortet, aber am Wichtigsten war, dass Fred mich darin unterstützte, dass es eine wertvolle gute Sache ist, und er Vertrauen in mich/uns hatte, dass die Motivation stimmte. Diese Rückenstärkung und später die aktive Hilfe beim Einladen Lehrender und selbst dort zu lehren, hat dem Projekt Seminarhaus Engl zum Erfolg verholfen.

Diese Vipassana-Tage Himmelfahrt 1988 haben meinem Leben eine entscheidende Wendung zu einem „Guten Leben“ gegeben.

Nach wie vor freue ich mich darüber einen kleinen Beitrag geleistet zu haben, dass es den Ort Seminarhaus Engl weiterhin gibt und, dass Menschen dort die Möglichkeit bekommen, Teil der Lösung und nicht des Problems zu sein.

 

In den Dharma-Belehrungen wird oft von den zwei Säulen des Eingangstores zur Befreiung gesprochen. Die Qualitäten von Herz und Geist, die dieses Eingangstor bilden, sind vertrauensvolle Hingabe und grosses Mitgefühl, B Weisen, in denen sich unser Herz-Geist öffnet, um innere Transformation möglich zu machen:

- Vertrauensvolle Hingabe ist eine Öffnung die unser eigenes Vertrauen in die Lehre, die Praxis und die Lehrenden betrifft.

- Grosses Mitgefühl ist eine Öffnung gegen aussen, ist Verbundenheit mit und Zuwendung für die Lebewesen.

Fred von Allmen

 

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